Leichte Sprache als Integrationshilfe

Integration ermöglichen – Sprache fördern – Informationen bieten – Das alles vermag die Leichte Sprache. Gerade in Zeiten wie diesen sollte man sie aus ihrem ursprünglichen Kontext holen und den Kreis ihrer Adressaten erweitern!

Seit einigen Wochen ist die Flüchtlingskrise – verbunden mit einem gewissen Gefühl der Ohnmacht – das beherrschende Thema in Gesellschaft, Politik und Medien. Eines vorneweg:  Leichte Sprache heilt die Not jener Flüchtlinge, die voller Hoffnung unsere Grenzen erreichen, nicht. Aber sie könnte ein probates Mittel zur Integration darstellen.

Die Leichte Sprache hat sich ursprünglich in  der Behindertenselbsthilfe entwickelt und wird auch hauptsächlich in diesem Kontext verwendet. Doch warum erweitern wir die Inklusion nicht? Schließen wir doch auch jene Menschen mit ein, die ihre Heimatländer aus Angst um das eigene Leben verlassen haben und hier bei uns Schutz und Hilfe suchen. Informationen in der jeweiligen Herkunftssprache sind bestimmt eine Möglichkeit. Hier hat man auch schon sehr findige Lösungen (z.B. InfoAid) entwickelt. Aber man kann darin kaum ein Konzept für die Zukunft sehen. Denn die Erfahrung zeigt, dass eine Vielzahl der Flüchtlinge in Europa bleibt und aus Flüchtlingen MigrantInnen werden.

Um die Sprache des neuen Landes zu lernen, absolvieren sie ihren ersten Sprachkurs. Doch wo finden sie Lesematerial außerhalb dieses Spracherwerbskontextes? Und genau hier setzt die Leichte Sprache ein:

Sich informieren können, mehr über die neue Heimat erfahren, über Arbeitsbedingungen und -möglichkeiten, über die Anerkennung von Qualifikationen, etc. und das alles mit ihren ersten selbsterworbenen Deutschkenntnissen, verhilft den MigrantInnen zu mehr Selbständigkeit und macht Partizipation überhaupt erst möglich. Motivation und ein Gefühl des Angekommenseins sind die schöne Folge und lösen den Willen aus, noch mehr von dieser Sprache verstehen zu wollen.

Wir sehen im Bereich der Integration von Flüchtlingen und MigrantInnen eine neue Aufgabe für die Leichte Sprache. Mit Informationsprodukten, die alle verstehen, geben wir „Hilfe zur Selbsthilfe“ und setzen ein Zeichen, dass wir diese Menschen, ihre Bedürfnisse und Anliegen auch ernst nehmen.