Jeder siebente Erwachsene in Österreich hat große Schwierigkeiten beim Lesen

PIACC-Studie 2014/2015 – Lesekompetenz erneut am Prüfstand

Die Ergebnisse der 2. internationale Bericht zur PIAAC-Erhebung 2014/2015 wurden veröffentlicht. Nach wie vor verfügt rund 1 Million der Erwachsenen in Österreich über eine niedrige Lesekompetenz.

Die PIAAC-Studie ist gemeinhin auch als „PISA für Erwachsene“ bekannt und misst die Kompetenzen Erwachsener in den Bereichen Lesen und Alltagsmathematik sowie die Fähigkeiten beim Problemlösen im Kontext neuer Technologien. Nun wurde die 2. Erhebung – erstellt in den Jahren 2014/2015 – veröffentlicht. Das Ergebnis hat sich im Vergleich zur 1. Studie kaum verändert und schockiert ebenso wie damals: Rund 1 Million der Erwachsenen in Österreich verfügen nur über eine niedrige Lesekompetenz. Somit hat jeder 7. erwachsene Österreicher Schwierigkeiten, längere Texte sinnerfassend zu lesen. Probleme in Beruf und Alltag sind damit vorprogrammiert.

Wer ist betroffen? Ein niedriger Bildungsabschluss, eine andere Muttersprache, ein hohes Alter und Eltern mit schlechterem Bildungshintergrund – diese Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit zur Gruppe der Menschen mit niedriger Lesekompetenz zu gehören. Aber die niedrige Lesekompetenz zieht sich auch durch andere Bildungsschichten.

Niedrige Lesekompetenz in allen Bildungsschichten:

  • Maximal Pflichtschule – jeder 3. Erwachsene (ca. 30 %)
  • Lehre u. Diplomkrankenpflegeschule – jeder 7. Erwachsene (ca. 15 %)
  • AHS, BHS –jeder 20. Erwachsene (ca. 5%)
  • Tertiärer Abschluss (inkl. Meister) – jeder 25. Erwachsene (ca. 4%)

Doch wie macht man nun aus schlechten Lesern gute? Die Frage stellt sich eigentlich nicht, denn der Bildungsweg ist für die meisten ab- oder ausgeschlossen. Vielmehr muss man sich fragen: Wie kommen diese Menschen nun zu den von ihnen benötigten Informationen? Wie kann man sie trotzdem in das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben einbinden? Leichte und Einfache Sprache sind eine gute Möglichkeit – oft auch die einzige. Doch noch immer erkennen viel zu wenige Menschen den Nutzen dieser Sprachmodelle und geben sich der Hoffnung hin, mit ihren Produkten, ihren Wahlprogrammen und Angeboten alle Menschen zu erreichen.

Eine junge Frau hat Schwierigkeiten beim Lesen

„Keep it short and simple“ – so lautet die Devise und unserer Meinung nach trifft diese Aussage auch den gesellschaftlich notwendigen Sprachgebrauch der Zukunft – zumindest solange sich in der Bildungspolitik und Gesellschaft nichts ändert.

Weiterführende Informationen zur PIAAC-Erhebung 2014/2015 und die genauen Ergebnisse aller teilnehmenden Länder finden Sie hier.