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Einfache Sprache weckt wieder die Lust am Lesen

Leselust durch Einfache Sprache

„Einfache Sprache: Literatur für alle“ unter diesem Titel hat der NDR in der Reihe „Kulturjournal“ mit einem interessanten Beitrag gezeigt, worin das Potential und der große Nutzen von Einfacher und Leichter Sprache liegen – vor allem für jene, die Spaß am Lesen haben.

„Erwachsene“ Themen

Menschen mit Lernschwierigkeiten, funktionale Analphabeten, Menschen mit anderer Muttersprache, Menschen mit geringerer Lesekompetenz oder anders gesagt: Menschen wie du und ich, wir alle haben ein Recht auf spannende Geschichten, große Literatur, traditionelle Märchen und Informationen aller Art. Deshalb ist das Übertragen all dieser unterschiedlichen Texte in einfachere Sprachmodelle eine sinnvolle Tätigkeit, der zum Beispiel der 41-jährige Schriftsteller und Übersetzer Kristof Magnusson nachkommt. Um ihn, seine Arbeit als Krimi-Autor und seine Leserschaft dreht sich ein Teil des NDR-Beitrags „Einfache Sprache: Literatur für alle“. „Es ist wichtig, dass es für Menschen mit Behinderung oder mit kognitiven Einschränkungen die Möglichkeit gibt, auch Literatur über erwachsene Themen zu lesen“, ist der Autor überzeugt. Deshalb hat er das Rotlichtmilieu für seinen Krimi rund um Sex, Gewalt und Mord gewählt. „Das sind ja erwachsene Menschen“, meint Magnusson.

Eine Frau sitzt am Meer und liest ein Buch

Leichte Sprache – Mehrwert für alle

Dass sich diese erwachsenen Menschen auch für allerhand andere Texte interessieren und interessieren „müssen“, weiß auch die Leichte-Sprache-Expertin Christiane Maaß. Die Leiterin der Forschungsstelle Leichte Sprache an der Universität Hildesheim verweist auf die immer schwerer zu verstehenden Behördentexte, die – wie es das Gesetz seit geraumer Zeit vorsieht – nun für Menschen mit Lernschwierigkeiten in Leichte Sprache übersetzt werden müssen. Eine Bestimmung, die aber schlussendlich allen Menschen zugutekommt, so Maaß. Den gesamten Beitrag finden Sie hier:

https://www.ndr.de/kultur/Einfache-Sprache-Literatur-fuer-alle,sprache172.html

Fachtagung Barrierefreie Kommunikation in interdisziplinärer Perspektive

Forschungen im Bereich Barrierefreier Kommunikation zwischen inklusiver Wirkung und Wirtschaftlichkeit standen bei der Fachtagung der Universität Hildesheim Ende Oktober 2015 im Mittelpunkt.

In einem vielfältigen Programm wurden die unterschiedlichen Praktiken intralingualer Übersetzung und ihre theoretischen Grundlagen vorgestellt. Experten aus Wissenschaft und Praxis boten interessante und erkenntnisreiche Einblicke in ihr Schaffen. Die Vorträge gliederten sich dabei in die Überthemen:

  • Die Über- und Untertitelung für Gehörlose
  • Die Audiodiskription für Sehgeschädigte und Blinde
  • Die Verwendung von Leichter Sprache und verwandter Formen
  • Die Senderorientierten Optimierungsansätze in der Wirtschaft

Dabei zeigten die unterschiedlichen Disziplinen von Translationswissenschaften, Linguistik, Medienwissenschaften und Pädagogik wie man im Sinne der Inklusion in Dialog tritt und gemeinsam neue Fragestellungen entwickeln kann. Neben den Vorträgen, welche die Theorie im Fokus hatten, waren vor allem die Einblicke in die Praxis hochinteressant, die zeigten, dass im Bereich Barrierefreier Kommunikation so gut wie alles möglich ist: Von Prüfungsfragen in Einfacher Sprache über das Museum für alle Sinne, inklusive Fernsehprogramme, Audioguides u.v.m.

Viel Stoff für weitere theoretische Ansätze und Umsetzungen in der Praxis gaben wohl auch die zahlreichen spannenden Diskussionen unter den internationalen Fachleuten im Anschluss an die jeweiligen Vorträge.

Der Mediopunkt im Mittelpunkt

Die Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim hat einen neuen Weg für die Trennung von zu langen Wörtern innerhalb von Leichte-Sprache-Texten gefunden. Der sogenannte Mediopunkt bringt viele Vorteile gegenüber der bisherigen Trennungsvariante mit Bindestrich.

Wie trennt man am besten lange zusammengesetzte Wörter in Leichte-Sprache-Texten? Mit Bindestrich lautete bislang die Antwort auf diese Frage. So wurde zum Beispiel aus dem Schlaganfall der Schlag-Anfall und nicht nur den Deutschlehrern stand – aufgrund der falschen Rechtschreibung – ebendieser kurz bevor. Die beiden Wissenschafterinnen Christiane Maaß und Ursula Bredel von der Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim haben eine neue Möglichkeit gefunden: den Mediopunkt; ein Punkt, gesetzt auf halber Höhe der Großbuchstaben. Der Mediopunkt macht aus dem Schlag-Anfall einen Schlag·anfall und zeigt damit sogleich die Vorzüge des Mediopunkts gegenüber dem Bindestrich:

 

Die Vorteile des Mediopunkts auf einen Blick

 

Keine falsche Rechtschreibung: Der Leser kann das Wort in seiner richtigen Schreibweise erfassen.

Ungewollte Lesarten werden vermieden: Der Mediopunkt macht deutlicher, dass es sich beim Schlag∙anfall um das neurologische Phänomen handelt und nicht um einen Anfall, der eine Schlagwut auslöst.

Signalwirkung: Der Mediopunkt signalisiert sofort, dass der Leser einen Text in Leichter Sprache und gerade ein besonders schwer zu lesendes Wort vor sich hat.

Bessere Wiedererkennbarkeit: Durch die unveränderte Schreibweise erkennt der Leser das Wort auch außerhalb des Leichte-Sprache-Kontexts besser.

Lesehilfe: Der Mediopunkt ist vor allem eine Lesehilfe und kann in dieser Funktion auch auf Verb-Ebene eingesetzt werden. So kann sich der Lesende auch weiter·entwickeln.

 

Für uns ist daher der Mediopunkt eine klare Sache. Wir verwenden ihn für eine bessere Lesbarkeit und setzen ihn bei zusammengesetzten Substantiven, wenn jedes Wort für sich Sinn macht, und langen Verben ein.

Nähere Informationen zum Thema Mediopunkt finden Sie auf der Seite der Forschungsstelle Leichte Sprache, Universität Hildesheim.